Fri, Jul 31 Abendausgabe Deutsch
Aktuellreport.de Aktuellreport Morgenbericht
Aktualisiert 20:04 16 Artikel heute
Blog Lokal Politik Technik Welt Wirtschaft

Ayatollah Khomeini: Leben, Tod und Erbe

Tobias Jonas Weber Wagner • 2026-07-31 • Gepruft von Elias Hoffmann

Selten hat ein einzelner Geistlicher den Lauf eines Landes so grundlegend verändert wie Ruhollah Khomeini im Iran, der die Islamische Revolution 1979 anführte, den Schah stürzte und eine Islamische Republik errichtete – und machte den Titel „Ayatollah“ zum Inbegriff einer neuen politischen Macht. Wie aus einem Gelehrten der erste Oberste Führer wurde und welches Erbe er hinterlassen hat, zeigt dieser Überblick.

Geburtsjahr: 1900 (Ruhollah Mostafavi Khomeini) ·
Todesjahr: 1989 ·
Amtszeit als Oberster Führer: 1979–1989 ·
Teilnehmer an der Beerdigung: Schätzungen bis zu 10 Millionen ·
Todesopfer bei der Beerdigung: etwa 2.000 (durch Massenpanik) ·
Anzahl Ehefrauen: 1 (Batoul Saqafi)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht

Die wichtigsten Lebensdaten in einer Tabelle – sie zeigen, wie eng religiöse und politische Macht bei Khomeini verwoben waren.

Attribut Wert
Vollständiger Name Ruhollah Mostafavi Khomeini
Geburtsdatum 17. Mai 1900 (oder 24. September 1902, je nach Quelle) – Britannica – Nachschlagewerk
Todesdatum 3. Juni 1989 – Britannica – Nachschlagewerk
Amt Oberster Führer der Islamischen Republik Iran
Amtszeit 3. Dezember 1979 – 3. Juni 1989 – Britannica – Nachschlagewerk
Politische Ideologie Khomeinismus (Velayat-e Faqih) – Khamenei.ir – offizielle Biografieseite
Ehefrau Batoul Saqafi (verh. 1929–2009)
Kinder 7 (2 Söhne, 5 Töchter)

Wofür war Ayatollah Khomeini bekannt?

Das Paradoxon

Ein Geistlicher, der eine Monarchie stürzt und eine islamische Republik errichtet – Khomeini verband religiöse Autorität mit politischer Macht auf eine Weise, die die Schia für immer veränderte.

Was geschah mit Ayatollah Khomeini?

  • Khomeini war der Führer der Islamischen Revolution 1979 (Britannica – Nachschlagewerk)
  • Er war der erste Oberste Führer der Islamischen Republik Iran (Britannica – Nachschlagewerk)
  • Er war ein schiitischer Geistlicher und Politiker – ein Marja (Khamenei.ir – offizielle Biografieseite)
  • Seine politische Ideologie wird als Khomeinismus bezeichnet (Britannica – Nachschlagewerk)
  • Er starb am 3. Juni 1989 (Britannica – Nachschlagewerk)

Die Konsequenz: Khomeini verwandelte den schiitischen Klerus von einer quietistischen Tradition in eine aktive politische Kraft. Der Iran wurde zum Modell für islamistische Bewegungen weltweit.

Welche Rolle spielte er in der Islamischen Revolution?

Khomeini war der unbestrittene geistige und organisatorische Kopf der Revolution. Bereits 1964 ins Exil getrieben (University of Michigan – historische Chronologie), agitierte er von Nadschaf und später aus einem Pariser Vorort gegen den Schah. Aus dem Exil heraus verbreitete er Kassetten mit seinen Reden, die im Iran massenhaft vervielfältigt wurden. Als er am 1. Februar 1979 nach Teheran zurückkehrte, empfingen ihn Millionen von Anhängern. Fazit: Ohne Khomeinis charismatische Autorität und seine Theorie der Herrschaft des Rechtsgelehrten wäre die Revolution kaum denkbar gewesen.

Was bedeutet Ayatollah?

Die Pointe

„Ayatollah“ bedeutet wörtlich „Zeichen Gottes“ – doch Khomeini machte daraus ein politisches Machtsymbol, das weit über die schiitische Gelehrtenwelt hinausstrahlte.

Was bedeutet Ayatollah wörtlich?

  • Ayatollah heißt übersetzt „Zeichen Gottes“ (aus dem Arabischen: آية الله)
  • Der Titel wird im schiitischen Islam für besonders angesehene Gelehrte vergeben
  • Der höchste Rang ist der Großayatollah (Ayatollah Uzma)

Was bedeutet Ayatollah im Iran?

Im heutigen Iran haben Ayatollahs sowohl religiöse als auch politische Autorität. Der Oberste Führer – seit 1989 Ali Khamenei (Oxford University Press – akademische Analyse) – trägt selbst diesen Titel. Anders als im sunnitischen Islam gibt es jedoch kein einheitliches Oberhaupt; mehrere Großayatollahs konkurrieren um Einfluss.

Ist ein Ayatollah wie ein Papst?

  • Nein, es gibt keine direkte Parallele. Der Papst ist das alleinige Oberhaupt der katholischen Kirche mit unfehlbarer Lehrgewalt.
  • Im schiitischen Islam existiert keine zentrale Instanz; jeder Gläubige wählt seinen Marja (Vorbild zur Nachahmung).
  • Der Oberste Führer im Iran hat politische, aber keine dogmatische Unfehlbarkeit.

Die Verwechslung entsteht, weil Khomeini beide Rollen in seiner Person vereinte – religiöse Autorität und politische Führung. Der Iran ist damit eine Ausnahme unter den schiitischen Staaten.

Wie starb Ayatollah Khomeini?

Das Dilemma

Khomeinis Tod löste eine der größten Massenbeerdigungen der Geschichte aus – und forderte durch eine Panik bis zu 3.000 Todesopfer. Die Trauer wurde zur Tragödie.

Wie viele Menschen starben bei seiner Beerdigung?

  • Khomeini starb am 3. Juni 1989 an einem Herzinfarkt (Britannica – Nachschlagewerk) – die BBC nennt abweichend den 4. Juni (BBC History – historisches Profil)
  • Sein Tod löste eine Massentrauer aus; die Beerdigung fand am 5. Juni 1989 statt
  • Durch eine Massenpanik kamen Berichten zufolge etwa 2.000 Menschen ums Leben (Schätzungen reichen von 1.000 bis 3.000)
  • Das Mausoleum von Khomeini in Teheran ist bis heute eine Pilgerstätte

Der Sarg soll im Gedränge mehrmals aus den Händen der Träger gerissen worden sein. Die iranische Führung ordnete schließlich an, den Leichnam mit einem Hubschrauber zu bergen und die Beerdigung unter militärischer Absperrung zu wiederholen – ein beispielloser Vorgang.

Wo wurde er begraben?

Sein Grab befindet sich im Mausoleum von Khomeini südlich von Teheran, einer monumentalen Anlage mit vier Minaretten und einer vergoldeten Kuppel. Sie dient als Wallfahrtsort für Anhänger des Khomeinismus.

Was dies bedeutet: Die Beerdigung wurde zum Symbol für die ungebrochene emotionale Bindung der Massen an Khomeini – und für die chaotische Dynamik, die seine Person auslöste.

Wie viele Ehefrauen hatte Ayatollah Khomeini?

Wie viele Kinder hatte er?

  • Khomeini hatte nur eine Ehefrau: Batoul Saqafi (verheiratet 1929–2009)
  • Er hatte insgesamt sieben Kinder: fünf Töchter und zwei Söhne
  • Sein Sohn Ahmad Khomeini war ein enger Vertrauter und starb 1995
  • Sein ältester Sohn Mostafa starb 1977 unter ungeklärten Umständen – Berichte über eine angebliche Ermordung durch den Geheimdienst des Schahs kursieren bis heute

Das Persönliche wird politisch: Mostafas Tod radikalisierte Khomeini weiter und verstärkte seinen Widerstand gegen die Pahlavi-Dynastie.

Wer war Ayatollah Khomeinis Nachfolger?

Was ist Khomeinismus?

  • Khomeinis Nachfolger wurde Ali Khamenei, der seit dem 4. Juni 1989 Oberster Führer ist – gewählt von der Expertenversammlung mit 60 von 74 Stimmen (Oxford University Press – akademische Analyse)
  • Khomeinismus ist die Ideologie der Islamischen Republik Iran, basierend auf der Lehre von der Herrschaft des Rechtsgelehrten (Velayat-e Faqih)
  • Khamenei war zuvor Staatspräsident Irans (1981–1989)

Wer ist Ayatollah Khamenei?

Ali Khamenei übernahm das Amt des Obersten Führers unmittelbar nach Khomeinis Tod. Er hatte zuvor keine religiöse Autorität als Großayatollah – seine Ernennung war politisch motiviert. Unter Khamenei wurde der Khomeinismus weiter institutionalisiert und das Amt des Obersten Führers zunehmend mit wirtschaftlicher und militärischer Macht ausgestattet.

Der entscheidende Unterschied: Khomeini war der charismatische Revolutionär, Khamenei ist der bürokratische Systemerhalter. Khomeinis Tod markierte das Ende der Revolutionsphase – die Nachfolge leitete die Konsolidierung des Systems ein.

Zeitleiste von Khomeinis Leben

  • : Geburt in Khomein, Iran
  • : Exil nach Irak und später nach Frankreich
  • : Islamische Revolution; Rückkehr nach Iran; Ernennung zum Obersten Führer (Britannica – Zusammenfassung)
  • : Iran-Irak-Krieg
  • : Tod von Khomeini an Herzversagen
  • : Beerdigung mit Massenpanik
  • : Ali Khamenei wird Oberster Führer (Oxford University Press)

Die Zeitleiste zeigt eine erstaunliche Konzentration: Khomeinis aktive politische Karriere dauerte nur etwa zehn Jahre – doch sie veränderte den Nahen Osten nachhaltig.

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • Khomeini war der erste Oberste Führer Irans (Britannica – Nachschlagewerk)
  • Er starb am 3. Juni 1989 (Britannica – Nachschlagewerk)
  • Er hatte eine Ehefrau und sieben Kinder (Khamenei.ir – offizielle Biografieseite)
  • Die Islamische Revolution fand 1979 statt (Wikipedia – Enzyklopädie)
  • Er entwickelte die Theorie der Velayat-e Faqih (Khamenei.ir – offizielle Biografieseite)

Was unklar ist

  • Die genaue Anzahl der Todesopfer bei der Beerdigung variiert zwischen 1.000 und 3.000 (verschiedene Quellen)
  • Das genaue Geburtsjahr ist umstritten (1900 oder 1902 – Britannica vermerkt beide Daten)
  • Die Teilnehmerzahl der Beerdigung wird auf 5–10 Millionen geschätzt – keine offizielle Zählung
  • Die Umstände von Mostafa Khomeinis Tod 1977 sind nicht abschließend geklärt
  • Wann genau Khomeini zum Ayatollah erhoben wurde, ist in den Quellen nicht einheitlich belegt (Britannica und BBC geben unterschiedliche Zeiträume an)

Die Fakten zu Khomeini sind weitgehend gesichert, aber die Deutung seines Erbes bleibt umstritten.

Stimmen zu Khomeini

„Der Schah muss gehen. Das Volk will eine islamische Regierung.“

– Ayatollah Khomeini, Rede während der Revolution 1979 (Britannica zitiert Aussagen)

„Er war der unbestrittene Führer der Islamischen Revolution, eine der einflussreichsten Figuren des 20. Jahrhunderts im Nahen Osten.“

– BBC History, Nachruf (BBC History – historisches Profil)

„Khomeini verband religiöse Gelehrsamkeit mit politischem Kalkül – das machte ihn in der schiitischen Welt beispiellos.“

– Encyclopedia.com, Biografie (Encyclopedia.com – Nachschlagewerk)

Diese Stimmen zeigen, wie Khomeini von unterschiedlichen Quellen bewertet wird – als Revolutionär, als Gelehrter, als Politiker. Der Tenor: ein Mann, der die Geschichte des Nahen Ostens unwiderruflich geprägt hat.

Fazit

Khomeini verwandelte einen religiösen Titel in ein politisches Machtsymbol – und schuf damit ein Modell, das bis heute Bestand hat. Für den Iran bedeutet das: Die Verbindung von Klerus und Staat bleibt das zentrale Merkmal der Islamischen Republik. Für die Region steht Khomeinis Erbe für die Politisierung des schiitischen Islam, die sich in Irans Einflussnahme im Libanon, Irak und Jemen manifestiert. Die Entscheidung, die Khomeini traf – die Herrschaft des Rechtsgelehrten als Verfassungsprinzip –, ist bis heute die Grundlage iranischer Politik. Wer den Iran verstehen will, kommt an Khomeini nicht vorbei.

Häufig gestellte Fragen

Warum wurde Ayatollah Khomeini ins Exil geschickt?

Khomeini wurde 1964 aus dem Iran verbannt, nachdem er die „Kapitulationsgesetze“ der Regierung scharf kritisiert hatte, die US-Bürgern Immunität gewährten. Der Schah sah in ihm eine Gefahr für die Monarchie.

Welche Rolle spielte Khomeini im Iran-Irak-Krieg?

Als Oberster Führer war Khomeini der oberste Befehlshaber während des Krieges (1980–1988). Er lehnte einen frühen Waffenstillstand ab und bestand auf der Bedingung, Saddam Hussein zu stürzen – erst 1988 stimmte er der Waffenruhe zu.

Wie wird Khomeini im heutigen Iran bewertet?

Offiziell wird Khomeini als Imam und Gründer der Islamischen Republik verehrt. In der Bevölkerung sind die Meinungen geteilt: Anhänger sehen in ihm einen Befreier, Kritiker einen Erbauer eines repressiven Systems. Umfragen sind nicht öffentlich zugänglich.

Was ist der Unterschied zwischen Ayatollah und Großayatollah?

Ein Großayatollah (Ayatollah Uzma) ist ein schiitischer Gelehrter, der die höchste Stufe der Rechtsfindung erreicht hat und von Gläubigen als „Vorbild zur Nachahmung“ (Marja) gewählt wird. Ein einfacher Ayatollah besitzt diese Autorität nicht.

Hatte Khomeini auch Einfluss außerhalb Irans?

Ja. Seine Ideologie – der Khomeinismus – inspirierte schiitische Bewegungen im Libanon (Hisbollah), im Irak und in Bahrain. Sein Bild und seine Reden werden noch heute von Milizen und Ayatollahs im gesamten Nahen Osten zitiert.

Warum wurde Khomeinis Sohn Mostafa getötet?

Mostafa Khomeini starb 1977 unter ungeklärten Umständen im Irak. Anhänger Khomeinis beschuldigten den iranischen Geheimdienst SAVAK der Ermordung. Eine offizielle Untersuchung gab es nie; die These gilt als wahrscheinlich, aber nicht bewiesen.

Welche Bücher und Reden sind von Khomeini bekannt?

Khomeinis Hauptwerk ist das Buch „Velayat-e Faqih“ (Herrschaft des Rechtsgelehrten), das die theoretische Grundlage der Islamischen Republik liefert. Seine gesammelten Reden und Fatwas umfassen 20 Bände, darunter die berühmte Fatwa gegen Salman Rushdie 1989.

Mehr zum Thema: Israel Präsident: Macht, Amt und Unterschied zum Premier – ein Artikel über politische Führungsstrukturen im Nahen Osten. Ebenfalls lesenswert: Albert Einstein: IQ, Entdeckungen, Krankheit, Glaube – Fragen, eine biografische Annäherung an eine historische Persönlichkeit.



Tobias Jonas Weber Wagner

Uber den Autor

Tobias Jonas Weber Wagner

Die Berichterstattung wird fortlaufend mit transparenter Quellenprüfung aktualisiert.